Protestaktion von

medica mondiale zum

Verfahren gegen Karadžic

In unserer therapeutischen Arbeit mit kriegstraumatisierten Frauen erleben wir, wie wichtig es in bestimmten Phasen des Therapieprozesses sein kann, dass TäterInnen zur Verantwortung gezogen werden. Eine öffentliche Anerkennung des Unrechts, der Gewalt, die die Frauen erlebt haben und ihrer Bemühungen um ihre eigene Genesung, kann Kräfte freisetzen, um auch den freud- und friedvollen Lebensimpulsen wieder Raum geben zu können.

Auf diesem Hintergrund erhält die Festnahme von Radovan Karadzic, einem der als Kriegsverbrecher gesuchten Verantwortlichen in den Jugoslawienkriegen, eine besondere Relevanz

 

 







Medica mondiale hat aus diesem Anlass einen Brief an den Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshof verfasst, der kritisiert, dass in der derzeitigen Anklageschrift sexualisierte Gewalt nur nebenbei erwähnt wird und den Frauen somit eine Rechtsprechung zu ihrer spezifischen Kriegsgewalt verweigert wird. 
Diesen Brief möchten wir hier dokumentieren:
"An den Chefankläger Brammertz"

Da wir wissen, dass die Klärung von Recht und Unrecht in einem Kriegskontext eine besondere Herausforderung darstellt, und immer in Abhängigkeit von den politischen Verhältnissen steht, möchten wir diesen Brief mit einigen Informationen ergänzen:

 

 







Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (engl: International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia, ICTY; auch UN-Kriegsverbrechertribunal oder Haager Tribunal genannt) mit Sitz in Den Haag ist ein durch Resolution des UNO-Sicherheitsrates vom Mai 1993 geschaffener Ad-hoc-Strafgerichtshof. Er ist zuständig für die Verfolgung schwerer Verbrechen, die seit 1991 in den Jugoslawienkriegen begangen wurden. Der Sicherheitsrat forderte im August 2003 den Strafgerichtshof auf, bis 2010 sämtliche Verfahren abgeschlossen zu haben.

Im Juli 1995 wurde die erste Anklage gegen Karadžic, (und Mladic) erhoben.

Im Mai 2006 setzte die Europäische Union die EU Beitrittsverhandlungen mit Serbien aus, weil die „Kooperation mit dem ICTY“, was hauptsächlich die Verhaftung von Mladic und Karadžic meinte, nicht ausreiche.

Am 21. Juli 2008 verkündete das serbische Präsidialamt schließlich die Festnahme Karadžics in Serbien.

Ergänzend dazu ein kritischer Hintergrundbericht über „die Instrumentalisierung von Recht“ aus der AG Friedensforschung der Universität Kassel, FB 05


Oktober 2008