Die Art der Berichterstattung ist extrem abwertend den beteiligten Frauen gegenüber und so hat der Migrantinnentreff Gülistan einen Leserinnenbrief dazu verfasst.
|
Leserinnenbrief zu dem Artikel „Frauenschwimmen soll Integration fördern“ Wir Mitarbeiterinnen des Migrantinnentreffs Gülistan finden diesen diffamierenden Artikel in einer Stadt, in der Integration von allen Seiten hoch gehalten wird, peinlich. Seit Oktober 2007 findet freitags von 10 bis 12 Uhr im Viktoriabad Frauenschwimmen, ein Angebot für alle Frauen, statt. In dieser Zeit werden Schwimmkurse für Migrantinnen durchgeführt. Das Angebot wird sehr gut angenommen, so dass an Brückentagen das Schwimmbad mit bis zu 170 Personen überfüllt ist. Trotz des Titels geht es im GA-Artikel weder um den Erfolg des Frauenschwimmens noch um Integration. Hauptsächlich werden ein „nicht-muslimischer Badegast“ und eine Bademeisterin, die namentlich nicht genannt werden will, mit verachtenden und äußerst diskriminierenden Äußerungen zitiert, so dass in den Köpfen der Leser folgendes hängen bleibt: Das Angebot würde überwiegend von „muslimischen Frauen“ und „ausländischen Frauen“ in Anspruch genommen, die keine gewöhnliche Badebekleidung anziehen, das Wasser verschmutzen, die Gefahren des Wassers unterschätzen, auf ihre Kinder nicht aufpassen können, unorganisiert sind und viel Trubel verursachen. Und das alles sei ja kein Wunder, weil sie nur zu Hause sitzen und kein Deutsch sprechen. Und nicht zu vergessen, das Schwimmbad sei keine Waschmaschine.
|
Wir fragen uns, was die Absicht einer solchen Berichterstattung ist. Denn wieder einmal zeigt sich darin die fehlende Integrationsbereitschaft der Aufnahmegesellschaft. Und wieder einmal tragen Medien durch negative Berichterstattung über einen positiven Prozess zur Verstärkung von Vorurteilen in der Gesellschaft bei. Migrantinnentreff Gülistan Am 27. 6. fand ein Gespräch mit VertreterInnen der Stadt Bonn (Gleichstellungsstelle, Integrationsbeauftragte, Presseamt, Sport und Bäderamt), Gülistan, Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e. V. und der TuBF statt. Ergebnisse des zweistündigen Gespräches war die Zusage des Presseamtes, sich mit dem General-Anzeiger in Verbindung zu setzen. Es soll ein weiterer Artikel veröffentlicht werden, der den Erfolg des Frauenschwimmens hervorhebt mit einem Hinweis des Bedauerns über die bisherige Berichterstattung. Desweiteren soll ein mehrsprachiges Informations-Faltblatt für die BadnutzerInnen erstellt werden und angesichts der hohen Besucherinnenzahlen erweiterte Öffnungszeiten angeboten werden. Wir begrüßen diese positive Entwicklung und hoffen auf baldige Umsetzung. Die Notwendigkeit, interkulturelle Kompetenzen auch in städtischen Strukturen mehr zu verankern, bleibt eine wichtige Aufgabe. TuBF, Juli 2008 |
||