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Das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen

ist ein Gradmesser für die Entwicklung einer Gesellschaft

(Marita Blauth, TuBF Frauenberatung Bonn)

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen wurde 1981 von lateinamerikanischen und karibischen Frauen ausgerufen. Er bezieht sich auf den 25.11.1960, dem Tag, an dem drei Widerstandskämpferinnen, die Schwestern Mirabal, in der Dominikanischen Republik ermordet wurden. Die drei Schwestern gelten bis heute als Zeichen für den Widerstand gegen Diktatur.

Gewalt gegen Frauen ist in den Beratungen und Therapien in der TuBF ein zentrales Thema. Lange Zeit galt z.B. das, was sich in Familien, zwischen Ehegatten oder in Beziehungen abspielte, als absolut privat. Was immer da geschah, eine Einmischung war tabu. In einem solchen gleichsam öffentlich geschützten privaten Beziehungsverhältnis können gewalttätige Auseinandersetzungen lange verborgen bleiben. Wenn sich die Gewalt dabei gegen Frauen richtet, spielt das Festhalten an alten Rollenbildern, die Frauen abwerten oder missachten, eine große Rolle: dann wird diese Gewalt als Normalität legitimiert und verharmlost.

Das hat sich durch Jahrzehnte Frauenbewegung geändert. Häusliche Gewalt wird strafrechtlich verfolgt. Frauen, die Gewalt erfahren, haben ein Bewusstsein davon, dass es Unrecht ist, was ihnen widerfährt. Das war für die Generation unserer Mütter nicht immer so.

In Bonn und in anderen Orten sind Initiativen entstanden, die von Opferschuztbeauftragten der Polizei bis zu Opferhilfehandbüchen reichen und den Opferschutz in den Mittelpunkt stellen. Als Therapeutinnen legen wir Wert darauf, Frauen - auch wenn sie Opfer wurden - in ihrer Handlungsfähigkeit, ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Subjektivität wahrzunehmen. Auch die Komplexität der Verstrickung zwischen Opfer und TäterIn müssen benannt, geklärt und verarbeitet werden können.

Festschreibungen auf unschuldige Opferidentitäten und schuldige Täterrollen sind eher geeignet, Machtverhältnisse zu konservieren. Vielmehr geht es darum, zu erkennen, wie Frauen aus einer Gewaltdynamik aussteigen können, wie sie sich aus Opfersituationen befreien können. Dazu brauchen sie die Möglichkeit, verantwortungsvoll zu handeln. Sie brauchen eine Gesellschaft, die für alle Mitglieder seelische und körperliche Unversehrtheit und Integrität garantiert und dafür finanzielle und strukturelle Angebote bereitstellt. In Bonn (und anderswo) kann dabei auf die Kompetenz und Erfahrung der Frauen in Frauenberatungsstellen und Frauenhäusern zurückgegriffen werden. Finanzielle Absicherung dieser Projekte und einen wachen engagierten Einsatz um ein gewaltfreies gesellschaftliches Klima sind dafür unerlässlich.

Gewalt gegen Frauen ist auch ein Gradmesser für die Fähigkeit einer Gesellschaft, Ein- und Ausgrenzungen mit dem damit verbundenen Gewaltpotential zu verhindern. Eingrenzungen in existentielle ökonomische Abhängigkeiten oder Ausgrenzungen an den Reichtumsschlagbäumen der EU Grenzen.

Immer da, wo Freiheitsrechte eingeschränkt werden, wo Wohlstandsgrenzen abgeschottet werden, wo Frauen ihre Autorität nicht einsetzen und Menschen in Not und Abhängigkeit ausgegrenzt und bevormundet werden, muss sich etwas ändern.

Bonn 2008


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